Im Reisebus von Freiburg nach Shanghai – auf der Seidenstraße um die halbe Welt
6Jul/10Off

Inge Stagneth: Zurück durch China

Der nächste Tag bringt uns nach Xian. Es ist fast wie heimkommen. Das Hotelpersonal kennt uns auch noch. Wir sind bei Tag angekommen und Verena und ich bummeln durch den Bazar. Und hier sehe ich das Bild wieder, welches mir schon auf der Hinreise aufgefallen war. Dieses Mal nehme ich es zu einem kleinen Preis mit. Mittlerweile ist es dunkel geworden, die Lichter über den Bazar Ständen beleuchten die Waren. Ein guter Duft erinnert uns, dass wir hungrig sind und so sitzen wir in der Menge draußen und essen. Wir sind entspannt und froh. Zum Abschied betrachten wir die geliebten Drachen, die in großer Höhe im Licht schweben und stellen uns vor, wie es wäre, wenn wir mitfliegen könnten. Aber wir haben ja unseren roten, großen, geliebten Bus mit den glänzenden Felgen. Was brauchen wir noch Fliegen, ist das Fahren mit dem Bus so umweltfreundlich, bequem und unterhaltsam. Der Verbrauch auf 100 km beträgt im Schnitt 30,5 Liter, bestes Ergebnis: 17,5 Liter auf 250 Kilometer.

Vor dem Losfahren fotografiert Wolfram den Pandabären mit dem Manager des Hotels bis zum Lift Boy. Unterwegs dann Fotos mit Pandabär und Straßenkehrer, mit den Angestellten der Autobahnraststätte, einem Polizisten, die Dame im Tollhäuschen, LKW Fahrer und uns. Auf  unserem Weg nach Lanzhou essen wir heute eine Nudelsuppe im Bus, denn die Strecke ist enorm, die wir zu bewältigen haben. Außerdem wissen wir, dass wir am Abend im Hotel-Buffet essen werden. Im Bus ist es angenehm frisch und so spüren wir die Hitze nur, wenn wir kleine Pausen machen. Wir fahren weiter und auf Verenas Wunsch halten wir an der Rasthütte vom Hinweg, dort wo sie mit dem kleinen Mädchen so innig spielte. Sie möchte ihr ein Geschenk bringen. Hans-Peter hält genau vor der Bude und Heidy nimmt einen kleinen, rosaroten Teddybären mit, um diesen der Kleinen zu geben. Welch eine Freude beim kleinen Mädchen und Verena, als die beiden sich sehen! Die drei Bleistifte von Verena und der Teddybär lassen das Gesichtchen des Mädchens strahlen. Das Hotel finden unsere Fahrer sofort und ohne Schwierigkeiten.

6.00 Uhr Abfahrt. Tausend Kilometer stehen heute auf dem Programm. Wir sind alle sieben gut drauf und los geht’s. Turfan ist unser Ziel. Die Wüste Gobi ist unsere Kulisse. Ich bin gespannt, wie wir durch den Punkt Sternenschlucht kommen. Die Straße ist nicht gut zu fahren, viele Löcher und starke Unebenheiten bremsen oft den Bus. Kontinuierlich geht es bergauf. Die Steine sind schwarz, aber auch braun/beige, dass man meinen könnte, lauter Leoparden würden als Riesen hier schlafen. Durchsichtiges Blau und weiße Kumulus Wolken säumen das Ganze von oben ein. Unser Mittagessen bereiten wir uns im Bus zu. Hans-Peter hat noch einen italienischen Käse, wir schneiden Karotten, Tomaten, Knoblauch, Wurst, Gurken und servieren es schön angerichtet auf den Bistrotischen im Bus. Gestärkt geht es weiter. Gegen Nachmittag verändert sich die Umgebung in eine Märchenlandschaft. Die Sonne strahlt in jede Falte der kargen Felsen und lässt alles in einem weichen Ton erscheinen. Wir sind immer noch unterwegs, als die Sonne sich neigt. Eine Lichterscheinung hoch oben auf einem Berg zeigt silberne Kuppeln und einen Palast. Es ist fantastisch. Die Sonne geht als leuchtender Ball unter. Und punktgenau hält Wolfram den Bus vor den Flammenbergen an und wir sehen tatsächlich die Berge in Flammen. Großartig. Als wir uns wieder dem Bus zuwenden ist das Licht verschwunden und die Nacht beginnt. Der Lohn für die lange Fahrt. Ich möchte es nicht missen. Turfan liegt im Dunkel und das Hotel ist auch nicht besser als vor drei Wochen.

Heute kein Bus! Ruhetag! Bazar, Bazar! Verena und ich schlendern durch den Stoffbazar und nach eingehender Beratung und Betreuung von Verena entschließe ich mich, einen türkisfarbenen Stoff zu kaufen, aus dem ich mir gleich einen Rock, der nach einer Stunde fertig ist, nähen lasse. Verena hat in der Zwischenzeit wieder Kontakt zu einem hübschen Mädchen aufgenommen. Es übt an der Nähmaschine der Mutter mit einem Pappdeckel das Nähen. Wir sitzen hier mitten unter den Näherinnen und den Kundinnen, die fachliche Gespräche führen. Es ist, obwohl wir nichts verstehen, eine wunderbare Atmosphäre mit viel Lachen und Reden. Es geht sicher um Frauenthemen. Wir baden sozusagen in der Menge. Im Hotel begrüßen uns Hans-Peter, Wolfram und Joe. Hans-Peter sagt, dass es Neuigkeiten gibt. Ich denke erst, Stefan sei Vater geworden, oder der Bus wäre defekt. Aber nein: Die kasachische Grenze ist am Montag und Dienstag geschlossen, weil die Regierung vor wenigen Tagen zwei Feiertage eingeführt hat. Das heißt, dass wir am Montag nicht über die chinesische Grenze kommen, sondern erst am Mittwoch. Dass Hans-Peter seinen Flieger nicht bekommt und dass unsere Fahrerlaubnis in China am Montag ausläuft. Uff!!!!

Wir werden an Sairam-See und in Korgas der Grenzstadt Zwischenübernachtungen einlegen. Hans-Peter wird mit uns morgen bis Urumqi fahren. Er wird den Bus bis zum Flughafen bringen und dort übernachten, um 4 Uhr früh dann nach Almaty fliegen, dann weiter nach Athen und Thessaloniki. Joe meistert alles meisterhaft. Wir haben Zimmer am Sairamsee und hoffentlich in Korgas. Aber wir essen erst einmal sehr gut und alles andere wird sich finden.

Hans-Peter begrüßt uns heute Morgen zum letzten Mal in Asien. Am Flughafen nehmen wir Abschied und werden uns in 14 Tagen in Katarini wieder sehen. Am Flughafen von Urumqi verabschieden wir uns von Hans-Peter, nicht ohne vorher einen guten Kaffee getrunken und ein Black Forest Cake gegessen zu haben. Die Fahrt ist lang und doch genießen wir wieder die Landschaft vom Bus aus. Hohe Schneeberge begrüßen uns wieder. Wind kommt auf und schaukelt den Bus. Ein Regenguss mit Blitz und Donner geht nieder. Doch es hellt sich wieder auf.

Inge Stagneth

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