Im Reisebus von Freiburg nach Shanghai – auf der Seidenstraße um die halbe Welt
11Jul/10Off

Hans-Peter Christoph: Nichts ist einfach in Zentralasien

Es sind nicht mehr sehr viele, die verfolgen, wie der Bus seinen Weg Richtung Europa macht, aber bevor er nun im Iran für drei Tage endgültig vom Bildschirm verschwindet, bevor er in der Türkei wieder auftaucht, schreibe ich hier für alle, die noch dabei sind, einen kurzen Rückblick.

Am Sonntag, 4. Juli fuhren wir nach einem Ruhetag in der Oase Turfan weiter Richtung Grenze. Wir wollten am Montag China verlassen und nach Kasachstan einreisen. Aber noch in Turfan erreichte uns die Nachricht, dass die Grenze am Montag und Dienstag dicht sei. Die Grenze sei geschlossen und es fände keine Abfertigung statt, weil die Kasachen zwei Tage Ferien machten. Nationalferien übrigens - diese regierungsamtliche Verordnung war keine Woche vorher erlassen worden. Sonst hätten wir anders geplant. Man stelle sich vor, unsere Bundesregierung beschließt heute, dass nächste Woche zwei Feiertage seien und sämtliche Behörden, Schulen usw. hätten geschlossen. Ein Unding, dieser extrem kurze Vorlauf - nicht jedoch in Zentralasien, wo andere Gepflogenheiten herrschen. Für uns hieß das, dass der gesamte Rückfahrplan durcheinander kam. Die Grenze würde erst am Mittwoch öffnen und nicht am Montag. Wir hingen fest. Für mich persönlich, der ich am Mittwoch von Almaty/Kasachstan nach Griechenland fliegen wollte, um dort in Ruhe das Jahresprogramm 2011 vorzubereiten, hieß das, dass mein Ticket auf alle Fälle platzen würde. Deshalb stieg ich schon auf dem Weg zur Grenze in Urumqi aus und flog am Montag nach Athen. Die anderen Rückreisenden machten sich noch einen schönen Tag am Sairam-See und fuhren dann weiter Richtung Grenzort, sie hatten ja plötzlich viel Zeit. Alain, der bereits in Almaty war und dort in Kasachstan wartete, um meinen Platz als Fahrer einzunehmen, musste sich ebenfalls gedulden.

Aber es kam schlimmer! Denn am Mittwoch ließen sich die Chinesen bei der Abfertigung des Busses viel Zeit. Unendlich viel Zeit. Es passierte wie bei der Einreise nach China vor sechs Wochen nämlich gar nichts. Ein Beamter in Urumqi bewegte sich nicht, um den entscheidenden Stempel auf die Papiere zu platzieren. Am Mittwoch bewegte er sich nicht und auch am Donnerstag fand er keinen Grund, tätig zu werden! Was letztendlich dahintersteckte, werden wir nie herausbekommen. Hatten wir dieses Mal die falsche Agentur? Es sieht danach aus, denn vor zwei Jahren hatte (mit einer anderen Agentur) diesbezüglich alles bestens geklappt, bei der Ein- wie bei der Ausreise.

Unsere Gruppe um Wolfram mit Ina, Verena, Inge und Heidi saß also richtig fest. Erst zwei Tage wegen der Kasachen, dann zwei Tage wegen der Chinesen! Am Freitag schließlich - mit viertägiger Verspätung - rollte der Bus endlich in Kasachstan wieder gen Westen! Alain stieg in Almaty zu, nachdem er dort ebenfalls vier volle Tage mit Warten zugebracht hatte. Der Ärger war aber noch nicht zu Ende: bei der Ausreise nach Usbekistan machten die Kasachen wieder Theater, die gleichen wie bei der Einreise zuvor. Wieder verstrich die Zeit und erst nachdem 450 US-Dollars - ohne Quittung selbstverständlich - die Besitzer gewechselt hatten, konnten unsere Jungs und Mädels weiterfahren. Gestern war das. Heute, am späten Sonntagabend, ist die Gruppe mittlerweile in Mary/Turkmenistan, am Montag reist sie in den Iran weiter, wenn alles gut geht. Die Stimmung ist aber gut in der Gruppe, versichert man mir per SMS; na dann also weiterhin viel Spaß! Zu verfolgen via GPS ist der Bus vorerst wohl nicht mehr, er ist erst wieder zu sehen, wenn er die iranisch-türkische Grenze am Donnerstag erreicht, falls nicht noch weitere Probleme auftauchen.

 Hoffen wir, dass alles klappt und drücken wir ihnen die Daumen!

 Hans-Peter Christoph

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veröffentlicht unter: Reiseblog Kommentare
Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Die Daumen und die Zehen drücke ich der Gruppe!!!
    Und Dir wünsche ich weiterhin gute Nerven, die brauchst Du sicher.
    Gruß von Estella K.

  2. Ich hatte schon befürchtet, dass Ihr Wohnsitz genommen habt in China.

    Gruss von Antje Stagneth


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