Im Reisebus von Freiburg nach Shanghai – auf der Seidenstraße um die halbe Welt
18Jul/10Off

Der Star

Für die Mitreisenden Nebensache, für mich aber von größter Bedeutung ist, dass der Bus keine Probleme macht, egal wohin wir fahren. Auf ihn kommt es an, er ist ein wichtiges Werkzeug zum Erfolg, und obwohl nie wirklich im Vordergrund, ist er der Star, an dem vieles hängt. Auch wenn wir hier einen Mechatroniker dabei hatten, der sein Handwerk versteht. Reparaturen kosten Nerven, Zeit, bringen den Fahrplan durcheinander und es ist grundsätzlich schon nicht einfach, auf bekanntem Terrain mit Menschen an Bord eine Panne zu haben, wie viel mehr auf einer derart weiten Reise durch die entlegensten Winkel der Welt, auf der es jede Menge anderer Unsicherheitsfaktoren gibt. Dann möchte ich mich nicht auch noch mit dem Fahrzeug herumärgern müssen. Da ich mit dem legendären "rollenden Wohnzimmer" von 2008, einem 415 HDH von Setra/Daimler auf der Pekingreise und danach die allerbesten Erfahrungen gemacht hatte, war es naheliegend mit einem Bus des gleichen Typs zu fahren, obwohl es keinen gibt, der mehr kostet. "Never change a winning horse". In diesem Fall ein "winning team", Avanti und Setra.

Es war die richtige Entscheidung. Wieder machte es nur Freude, den schweren Dreiachser durch schmalste Gassen zu manövrieren, auf engstem Raum wenden zu können und die stoische Laufruhe und den sagenhaften Abrollkomfort zu spüren, mit dem das Fahrwerk die schlimmsten Straßen Zentralasiens und Baustellen Chinas glattbügelte, aber auch über makellose Autobahnen hinwegschwebte. Pannen gab es schon bei der Pekingreise überhaupt keine, und auch dieser Setra überzeugte mechanisch - bis auf einen Kühlwasserschlauch, den Alain jedoch schnell ersetzt hatte. Die ausgefeilten elektronischen Bauteile, vollgepackt mit Sicherheits- und Fahrer-Assistenzsystemen wie bei keinem anderen Bus, hielten ebenso klaglos durch wie 2008, und das wieder auf langen Rüttelstrecken, die einer Teststrecke für Geländewagen zur Ehre gereichten - wobei dies hier ein Dauertest war. Meine Mitreisenden waren ebenso begeistert wie wir Chauffeure, auch wenn sie von der Technik wenig mitbekamen. Der Fahr- und Sitzkomfort, die Atmosphäre und das Ambiente dieses Flaggschiffs stellen einfach alles in den Schatten, das merken auch Laien und die Begeisterung spiegelt sich in den zahlreichen Blogbeiträgen wieder. Wobei nach 18.000 Kilometern (bei manchen nach bald 32.000) wahrlich niemand mehr ein Buslaie ist - und immer noch vom Komfort und der Wohlfühlatmosphäre schwärmt. Klar gibt es Omnibusse, die kosten nur die Hälfte. Natürlich ist der Chauffeur auf einer Reise am allerwichtigsten. Bei einem guten Fahrer ist jeder Bus zunächst einmal gut. Bei diesem Bus weiß ich jedoch, dass es der beste ist - in jeder Hinsicht. Und für Gäste ist doch das Beste gerade gut genug, oder nicht?

Ein Grund mehr, den besten Bus der Welt zu fahren, sind diejenigen, die ihn herstellen. Die wenigsten können sich ausmalen, was in solch einer Reise an Vorbereitung steckt. Auch da fühle mich bei Setra bestens aufgehoben: Man macht sich im Werk schon Gedanken, wie was für mich optimal zu lösen sei und unterbreitet Vorschläge, bevor ich überhaupt so weit bin, mich damit zu beschäftigen. Da heißt es nie "geht nicht". Da muss ich nicht bitten und betteln, wenn mir etwas Spezielles vorschwebt, im Gegenteil, ich finde Unterstützung und Hilfe, weil man MITDENKT! Nicht nur einer denkt mit, sondern das ganze Team quer durchs Werk! Mitdenken ist selten geworden, weil manche nur ihr kleines begrenztes Sichtfeld haben, nicht "belästigt" werden wollen und keine Verantwortung zu übernehmen bereit sind. Nicht so bei Setra. Man versteht spartenübergreifend zu denken und vor allem über den Horizont des Tagesgeschäftes zu hinausblicken! Behandelt hat man mich als Partner, nicht als Kunden, dem man nur etwas verkaufen möchte, sondern man hat meine Sorgen, Nöte, Gedanken und Vorschläge begriffen - und nicht dagegengehalten oder mich schnell abgefertigt, sondern umgesetzt und mich unterstützt. Ich weiß: Gleich unterstellt man mir bei diesen Zeilen, ich würde von Setra bezahlt, aber das ist dummes Geschwätz. Ich bin nach diesen zwei Unternehmungen, Peking 2008 und Shanghai 2010, einfach nur dankbar - dankbar für die sagenhaften Busse und dafür, dass man mich ernst genommen hat.

 Hans-Peter Christoph

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